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Magdeburg 2012

Ein eisiger Wind pfeift über den Magdeburger Nicolaiplatz an diesem 14. Januar. Hier, wo einer der bedeutendsten Bauten des Klassizismus - die 1824 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels erbaute Nicolaikirche - steht, versammelten sich um die Mittagsstunden 1200 Deutsche, um an die Zerstörung der Stadt vor 67 Jahren zu erinnern. Nachdem es in den ersten Wochen des Jahres 1945 bereits 12 Mal Luftalarm gegeben hatte, ertönten am 16. Januar erneut die Sirenen um die Menschen vor den alliierten Terrorbombern zu warnen. 200 Maschinen der 8. US Luftflotte bombardierten Industrieanlagen sowie die angrenzenden Wohngebiete und entfachten im Norden und Süden der Stadt schwere Brände. Wie später auch in Dresden, folgte einige Stunden später und mitten hinein in die anlaufenden Rettungsmaßnahmen eine zweite Angriffswelle, bei welcher 371 Maschinen der Royal Air Force 39 Minuten lang die Stadt mit Luftminen, sowie Brand und Sprengbomben eindeckten. Um an dieses alliierte Kriegsverbrechen zu erinnern und der Umdeutung desselben durch Demokraten und Gutmenschen keinen Raum zu lassen, formierte sich nun nach einer Eröffnungsrede von Andreas Biere der unter dem Motto "Ehrenhaftes Gedenken, statt Anpassung an den Zeitgeist" stehende Gedenkmarsch.

Untermalt von klassischer Musik setzte sich der Zug vom Nicolaiplatz aus nun in Richtung Lübecker Straße in Bewegung. Für eine kurze Verzögerung sorgte hier die Aktion einiger Personen in Häftlingskleidung, welche im Bereich Lübecker- / Gareisstraße, nahe dem Neustädter Bahnhof, die Straße blockierte. Eine zugegebenermaßen kreative Idee, welche jedoch schnell ihre Grenzen in den Schranken des Versammlungsrechts fand und von der Polizei aufgelöst wurde. So konnte bereits nach etwa einer halben Stunde der Marsch über die Gareisstraße weiter in Richtung Innenstadt fortgesetzt werden, wobei es dort auf Höhe des Universitätsgeländes zu Stein- und Flaschenwürfen auf den Demonstrationszug kam. Auch Feuerwerkskörper und Rauchbomben wurden geworfen, wobei ein Teilnehmer verletzt wurde. Mit Wasserwerfern versuchte die Polizei der Lage Herr zu werden, während sich der Trauermarsch weiter fortsetzte. Die wehenden schwarzen Fahnen und viele Transparente kündeten dabei eindrucksvoll von dem Anliegen der hier versammelten 1200, welche sich dem Anlass entsprechend diszipliniert zeigten und nach dem Erreichen der Otto-von-Guericke-Straße Aufstellung zur Zwischenkundgebung nahmen.

Hier sprachen Andy Knape für die Magdeburger Initiative gegen das Vergessen, ein Kamerad aus der Ostmark sowie Kamerad Sven Skoda. Die vorangegangenen Ausschreitungen krimineller Gegendemonstranten wollte die Einsatzleitung der Polizei nun dazu nutzen, die Marschroute zu beschneiden und nach Beendigung der Kundgebung die Teilnehmer an den Magdeburger Hauptbahnhof heranzuführen. Dieses Vorhaben gelang jedoch aufgrund der konsequenten Haltung der Versammlungsleitung nicht, sodass nun wie vorgesehen der Rückmarsch zum Neustädter Bahnhof erfolgte. Hier wurde ein letztes Mal Aufstellung genommen und die Abschlusskundgebung durchgeführt. Es sprach zunächst ein Vertreter des Dortmunder Antikriegstages, bevor für das Gedenkbündnis Bad Nenndorf abermals Sven Skoda das Wort ergriff. Seinem Beitrag folgte die Totenehrung, welche in gewohnt einrucksvoller Weise von Andreas Biere durchgeführt wurde. Der ehemalige Jagdflieger Reinhold Leidenfrost beendete mit seiner Rede den diesjährigen Trauer- und Gedenkmarsch in Magdeburg, welcher sich gemessen an Organisation und Durchführung lückenlos in die Veranstaltungen der vergangenen Jahre einreiht.

Alles rund um den Trauermarsch in Magdeburg hier.